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Regenwasser im Garten nutzen

Auf der Einfahrt bilden sich Pfützen, die zur Straße abfließen. Der Rasen daneben nimmt das Wasser in Minuten auf. Dieser kleine Unterschied zeigt, worum es beim Regenwassermanagement geht.

6. Juli 2026 · ca. 7 Min. Lesezeit
Gärten der Zukunft Redaktion · in Zusammenarbeit mit Kronenrat
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Kurz & knapp

Nach einem kräftigen Sommerregen zeigt sich im Garten oft ein deutlicher Unterschied. Auf der gepflasterten Einfahrt bilden sich Pfützen, die zur Straße abfließen, während das Rasenstück daneben das Wasser in Minuten aufnimmt. Wenige Tage später ist der Boden unter dem Rasen noch feucht, die Fläche neben der Einfahrt längst wieder trocken.

Genau darum geht es beim Regenwassermanagement im eigenen Garten. Wasser, das versickern kann, bleibt dem Grundstück und dem Grundwasser erhalten. Wasser, das über versiegelte Flächen abfließt, geht verloren und belastet zusätzlich die Kanalisation.

Warum Regenwasser im Garten bleiben sollte

Mit dem Klimawandel ändert sich das Niederschlagsmuster spürbar. Auf lange Trockenphasen folgen immer öfter kurze, heftige Starkregen. Trifft so ein Regen auf versiegelte Flächen, sickert er nicht in den Boden, sondern läuft oben ab, das begünstigt Überflutungen und überlastet die Kanalisation. Zugleich sinkt durch die Versiegelung langfristig der Grundwasserspiegel, weil weniger Wasser überhaupt die Chance bekommt zu versickern.

Hier setzt das Schwammstadt-Prinzip an. Ursprünglich für die Stadtplanung gedacht, lässt es sich genauso auf ein einzelnes Grundstück übertragen. Die Idee: Regenwasser vor Ort aufnehmen, speichern und zeitversetzt wieder abgeben, wie ein Schwamm, der sich vollsaugt und langsam wieder hergibt. Für den Garten heißt das, möglichst viel Regen vor Ort zu versickern oder zu speichern, statt ihn schnell durch Rohre abzuleiten.

Versickerung: von der Wiese bis zur Rigole

Am einfachsten versickert Regenwasser direkt über eine begrünte Bodenfläche, etwa wenn ein Fallrohr auf den Rasen entwässert statt auf die Einfahrt. Diese Versickerung über die belebte Bodenzone gilt nach dem Wasserhaushaltsgesetz in der Regel als erlaubnisfrei, solange keine technischen Anlagen wie Mulden oder Rigolen zum Einsatz kommen und bestimmte Flächengrenzen eingehalten sind.

Reicht die reine Flächenversickerung nicht, kommen technische Lösungen infrage. Eine Versickerungsmulde ist eine flache, meist rasenbewachsene Vertiefung, in der sich Regenwasser sammelt und langsam versickert. Eine Rigole arbeitet unterirdisch: Ein mit Kies oder speziellen Speicherkörpern gefüllter Graben nimmt das Wasser aus dem Fallrohr auf und gibt es verzögert an den Boden ringsum ab. Rigolen brauchen weniger Fläche als offene Mulden, machen dafür aber mehr Erdarbeit.

Solche technischen Versickerungsanlagen sind an Bedingungen geknüpft, die sich nach Bundesland und Kommune unterscheiden. Häufig gilt ein Mindestabstand von etwa drei Metern zu Gebäuden und Nachbargrundstücken. Außerdem muss die Anlage ausreichend über dem höchsten Grundwasserstand liegen und der Boden muss durchlässig genug sein, was bei lehmigen oder tonigen Böden nicht immer der Fall ist. Vor der Planung lohnt deshalb eine Rückfrage bei der unteren Wasserbehörde oder beim örtlichen Entwässerungsbetrieb, auch um zu klären, ob eine Anzeige- oder Genehmigungspflicht besteht.

Zisterne: Regenwasser speichern statt nur ableiten

Regenwasser lässt sich auch aktiv sammeln und später zum Gießen nutzen. Am einfachsten mit einer Regentonne am Fallrohr. Für größere Flächen oder regelmäßige Nutzung bietet sich eine unterirdische Zisterne an, die deutlich mehr fasst und über eine Pumpe zugänglich ist.

Als grobe Orientierung rechnet man für die reine Gartenbewässerung oft mit 50 bis 80 Litern Speichervolumen pro Quadratmeter angeschlossener Dachfläche, wobei die tatsächliche Größe auch vom regionalen Niederschlag und vom Bedarf abhängt. Am sinnvollsten verbindet man beides: Die Zisterne speichert das Wasser zum Gießen, ein Überlauf führt den Überschuss bei Starkregen in eine Versickerungsanlage, statt ihn ungenutzt in die Kanalisation zu leiten.

Regenwasser lokal aufnehmen, speichern und zeitversetzt wieder abgeben, wie ein Schwamm.

Zisternen bis zu einem bestimmten Fassungsvermögen, in vielen Bundesländern bis etwa 50 Kubikmeter, sind meist ohne eigene Baugenehmigung möglich. Häufig verlangen Kommunen aber trotzdem eine Anzeige, vor allem wenn die Niederschlagswassergebühr an die angeschlossene versiegelte Fläche gekoppelt ist. Auch hier gilt: Die genauen Regeln stehen in der örtlichen Entwässerungssatzung und sollte man vor dem Bau einsehen.

In vielen Kommunen lohnt sich der Aufwand zusätzlich finanziell. Bei der sogenannten gesplitteten Abwassergebühr wird die Niederschlagswassergebühr getrennt von der Schmutzwassergebühr berechnet und richtet sich nach der Größe der versiegelten, an die Kanalisation angeschlossenen Fläche. Wer Regenwasser versickert oder in einer Zisterne speichert und so die angeschlossene Fläche verkleinert, senkt damit oft auch die laufenden Gebühren. Ob und wie viel das im eigenen Fall ausmacht, klärt der örtliche Entwässerungsbetrieb.

Ob eine Versickerung überhaupt in Frage kommt, hängt vor allem vom Boden ab. Sandige oder kiesige Böden nehmen Wasser gut auf, lehmige und tonige kaum. Einen ersten Eindruck gibt ein einfacher Sickertest: eine Grube ausheben, mit Wasser füllen und die Zeit bis zum vollständigen Absickern messen. Bei größeren Anlagen ersetzt das aber kein Bodengutachten.

Passend dazu bei Kronenrat: Bodensanierung & Standortberatung → — wir prüfen Bodenbeschaffenheit und Versickerungsfähigkeit vor Ort.

Was das für den eigenen Garten bedeutet

Ein durchdachtes Regenwassermanagement besteht selten aus einer einzelnen Maßnahme. Meist ist die beste Lösung eine Kombination: möglichst viel Fläche unversiegelt lassen oder entsiegeln, Regenwasser über Mulden oder eine Zisterne vor Ort halten und nur den echten Überschuss kontrolliert versickern oder ableiten. Für Eigentümer heißt das vor allem, schon bei der Gartenplanung mitzudenken, wo Regenwasser anfällt und wo es sinnvoll hinfließen kann, statt die Frage erst zu stellen, wenn die Einfahrt bei Starkregen schon unter Wasser steht.

Weiterlesen: Naturnaher Garten – wo anfangen? → · Warum eine Trockenmauer mehr ist als Deko → · Die Obstwiese: Pflege statt Perfektion →

Quellen

Fachlich geprüft: Felix Mälzer, 20. Juli 2026

Hinweis: Angaben zu Abständen, Anzeige- und Genehmigungspflichten variieren nach Bundesland und Kommune und sollten vor dem Bau bei der zuständigen unteren Wasserbehörde geprüft werden.

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